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Blog von Oliver Braun vom IT-Service.berlin

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Wer schon ein­mal ein Fach­buch als eBook für den Kin­dle bei amazon.de erwor­ben hat, der stellt über­rascht fest, dass es dafür keine “ordentliche” Rech­nung mit aus­gewiesen­er Mehrw­ert­s­teuer gibt. Ein Vors­teuer­abzug ist so nicht möglich.

Ama­zon begrün­det dies damit, dass die eBooks auss­chließlich an pri­vate Kun­den mit pri­vat­en Leseab­sicht­en verkauft wer­den. Zwar kann man eine Rech­nung anfordern, dies funk­tion­iert aber für Fir­men nur mit einem Pfer­de­fuß.

Also, prinzip­iell kann man an die Adresse kindle-support@amazon.de schreiben, die Num­mer der Kin­dle eBook-Bestel­lung angeben und eine Rech­nung anfordern. Ama­zon schickt dann eine Rech­nung mit der Post. Rech­nungsab­sender ist die Ama­zon Media EU SARL. Das Doku­ment enthält eine Rech­nungsnum­mer, einen Leis­tungser­bringer, den Leis­tungszeitraum, ein Rech­nungs­da­tum, eine VAT-ID, den Ausweis der lux­em­bur­gis­chen Mehrw­ert­s­teuer von 3 Prozent und den Leis­tungempfänger.

Pferdefuß

Allerd­ings darf man bei der Buchbestel­lung keinen Fir­men­na­men als Rech­nungsadresse angegeben haben. Wenn man das gemacht hat, dann trägt Ama­zon auf der Papier­rech­nung die Fir­ma als “c/o” ein. Das sieht dann so aus:

Brit­ta Muster­mann
c/o Schloss­reparatur­di­enst Smith GmbH
Haupt­str. 12
12345 Muster­stadt

Das sollte man als Kunde gle­ich berück­sichti­gen, wenn man bestellt. Einen eige­nen Fir­me­n­ac­count bei amazon.de muss man nicht anle­gen; man kann unter einem Benutzerkon­to (also ein­er einzige E‑Mail-Adresse) sowohl unter­schiedliche Liefer­an­schriften als auch unter­schiedliche Rech­nungsan­schriften und unter­schiedliche Zahlungswege pfle­gen (beispiel­sweise: AmEx-Pri­vatkarte und AmEx-Busi­nesskarte). Nur legt amazon.de bei Kin­dle-eBooks eben Wert auf das “c/o” vor dem Fir­men­na­men. Ich habe mir unter meinem Account daher eine pri­vate Rech­nungsan­schrift hin­ter­legt (für wirk­lich pri­vate Bestel­lun­gen), eine Fir­me­nan­schrift (für Bestel­lun­gen mit physis­ch­er Liefer­ung) und eine c/o‑Firmenanschrift (für Kin­dle-e-Books).

eBooks nur für privat

In den Nutzungs­be­din­gun­gen für Kin­dle eBooks schreibt amazon.de einen Ver­wen­dungszweck vor: “…diese dig­i­tal­en Inhalte auss­chließlich für die per­sön­liche, nicht-gewerbliche und nicht-unternehmerische Nutzung durch Sie unbe­gren­zt viele Male anzuse­hen…”

Man darf seine eBooks also so oft lesen, wie man möchte – aber nur zum Pri­vatvergnü­gen. Der Inhab­er der Nutzungslizenz für das eBook ist fol­glich eine natür­liche Per­son, keine Fir­ma. Auch dann nicht, wenn es sich zum Beispiel um den Inhab­er ein­er Fir­ma han­delt.

Wer das alles bei der Bestel­lung überse­hen hat, der kann sowohl eBooks als auch das Kin­dle-Lesegerät zurück­geben; amazon.de ken­nt man als ziem­lich kulant. Kri­tisch wird es, wenn man einen Kin­dle kauft, mehrere Monate später das erste eBook bestellt und dieses als Fach­buch für eine Fir­ma als Betrieb­saus­gabe gel­tend machen möchte.

Ein Gewer­be­treiben­der erhält auf Anforderung eine aus­re­ichende Rech­nung. Die muss man jedes Mal anfordern, aber nach einiger Zeit bedeutet das nur noch wenige Sekun­den Arbeit. Eine Fir­ma im Sinne des HGB, also kein Gewer­be­treiben­der, son­dern eine juris­tis­che Per­son mit Han­del­sreg­is­tere­in­tra­gung, erhält jedoch eine Rech­nung, die nicht auf die Fir­ma aus­gestellt ist, son­dern auf eine natür­liche Per­son (im obi­gen Beispiel Brit­ta Muster­mann), welche zufäl­lig unter der Adresse “Schloss­reparatur­di­enst Smith GmbH” erre­ich­bar ist — nichts anderes bedeutet das “c/o”.

Ob sich im Falle ein­er echt­en Fir­ma ein Steuer­prüfer bei ein­er Prü­fung tat­säch­lich an dem “c/o” stört, kommt sicher­lich auch auf den Einzelfall an.

Kindle vs. Kindle eBooks

Lei­der merkt der Kunde diesen Hak­en erst spät. Das Lesegerät Ama­zon Kin­dle kann man offen­bar als Fir­ma erwer­ben. Benutzen kann man es aber nur rudi­men­tär, näm­lich um eigene PDF-Dateien unter­wegs zu lesen. Das Prob­lem taucht erst auf, wenn der Kunde das erste Kin­dle eBook kaufen möchte und dann dessen Nutzungs­be­din­gun­gen studiert – was die wenig­sten Kun­den vor­ab machen dürften. Der Busi­nesskunde tappt also zunächst in die Falle, wenn er nicht genau auf­passt.

Erst vor dem ersten Kin­dle eBook-Kauf sind den Nutzungs­be­din­gun­gen für die eBooks zuzus­tim­men. Denn es gibt ein­er­seits die “Lizen­zvere­in­barung und Nutzungs­be­din­gun­gen für Amazon.de Kin­dle” für die Anschaf­fung des Gerätes und ander­er­seits die “Kin­dle-Shop Nutzungs­be­din­gun­gen” für den Kauf von eBüch­ern!

Fazit

Das Ver­hal­ten von amazon.de ist rechtlich IMHO in Ord­nung; kun­den­fre­undlich­er wäre es, vor dem Gerätekauf deut­lich auf den Nachteil hinzuweisen. Aber, wie gesagt, das Gerät kann man ja auch ein­fach zurück­geben. Selb­st wenn man schon ein eFach­book gekauft hat, gibt es Rück­gabe­möglichkeit­en. Insofern passt das alles.

Wenn es – gemessen an den Verkauf­szahlen – für amazon.de wirtschaftlich inter­es­sant wird, bes­timmte Käufer nicht zu ver­lieren, dürfte sich das Unternehmen bewe­gen. Derzeit ist der Ver­lust an Umsätzen für den Medi­enkonz­ern ver­mut­lich mar­gin­al. Das gle­iche gilt, wenn ein nen­nenswert­er Anteil der Käufer Rech­nun­gen nach­fordert. Bei meinem let­zten 14,99 Euro-Kauf hat mich ein Mitar­beit­er nach mein­er Anforderung der Rech­nung tele­fonisch kon­tak­tieren (wegen des “c/o”), und dann kam die Rech­nung per Post. Das verur­sachte bei amazon.de ver­mut­lich Personal‑, Mate­r­i­al- und Por­tokosten in Höhe von einem Drit­tel dieses Umsatzes.